Basisfertigkeiten

Im Kern des Fachs steht die systematische Vermittlung der sprachlich-kommunikativen Basisfähigkeiten Hören und Zuhören, Sprechen, Sehen, Lesen und Schreiben (Lehrplan Deutsch für die Sekundarstufe I, S. 18-20):
  • Hören / Zuhören: Bewußtes Hören bildet einen wichtigen Zugang zur Welt. Für gelingende Unterrichtsprozesse ist es eine unerläßliche Voraussetzung. Bewußtes Wahrnehmen und Unterscheiden von langen und kurzen Vokalen, von offenen und geschlossenen Lautungen, von Betonungen, von Hebungen und Senkungen, von unterschiedlichen Klangfarben ermöglichen in verschiedenen Zusammenhängen weiterführende Erkenntnisse und Einsichten. Hören und Zuhören werden als kommunikative, erkenntnisbringende und für alle Gegenstandsfelder des Deutschunterrichts konstitutive Leistungen erfahren und gepflegt. Hören und Verstehen stehen in enger Verbindung zueinander. So wie es sinnverstehendes Lesen gibt, gibt es auch sinnverstehendes Hören. Die Fähigkeit, einzelne Informationseinheiten auszuwählen, Zusammenhänge bei einem mündlich vorgetragenen Beitrag zu schaffen, Einzelaussagen zu benoten und zu verknüpfen, hängt zusammen mit dem Hören, das zugleich Verstehen ist. [...]
  • Sprechen: Die Lehrkraft nimmt sprecherische Fähigkeiten einzelner bewußt wahr, fördert die Bereitschaft einzelner, sich im Sprechen mit einem oder mehreren Gesprächspartnern, in Gruppen und im Plenum zu äußern. Sie leitet zu reflektiertem Sprechen an, macht Sprachebenen und ›codes‹ in ihrer Form und Funktion bewußt und ermutigt zur Korrektur des Sprechverhaltens, indem sie Gelegenheiten schafft, das Sprechverhalten zu schulen und zu verbessern. Dazu gehören Verständlichkeit, Sprechtempo, Lautstärke, Stimmführung und Artikulation. [...]   Im Unterricht unabhängig von spezifischen Inhalten über das Sprechen zu sprechen, heißt Erfahrungen zu thematisieren und zu erörtern, die Sprecher und Sprecherinnen im Umgang miteinander machen. Die Lehrkraft beobachtet, wie sich Redeanteile und Sprecherrollen auf einzelne Mitglieder, auf die Geschlechter und auf Gruppen in der Klasse verteilen. Sie macht der Klasse die Verteilung der Redeanteile in geeigneten Verfahren bewußt, läßt Ursachen einer etwaigen Ungleichverteilung bedenken und steuert ihr durch Einzel- und Klassengespräche entgegen. Merkmale von Mündlichkeit werden bewußt gemacht und von Merkmalen der Schriftlichkeit unterschieden. Verständigung über das Sprechen wird durch Gesprächsregeln, die die Gruppe sich gibt, erreicht. 
  • Sehen: Die genaue Wahrnehmung von Zeichen bildet nicht nur die Voraussetzung für das Lesen von Texten, sondern auch für das Verstehen graphisch vermittelter Informationen. Insbesondere auch Bildinformationen genau und differenziert wahrzunehmen, muß das Ziel geeigneter übungen in diesem Bereich sein. Visuelle Gestaltungsmittel (Form, Farbe, Schrifttyp u.a.) müssen bewußt wahrgenommen und in ihrer Wirkung reflektiert werden; in Zusammenarbeit z.B. mit dem Kunstunterricht werden bildliche Gestaltungsmittel wahrgenommen, benannt und reflektiert. Die technischen Möglichkeiten von Videoaufzeichnungen mit Standbildern und Einzelbildpräsentation erlauben die Schulung des Sehens, auch eine Trennung des optischen Sinns vom Hören. 
  • Lesen: Die Fähigkeit, Bild- und Schriftzeichen zu sehen, zu lesen und zu verstehen, ist die Grundlage für die selbständige Teilnahme an der Schriftkultur. Das genaue Wahrnehmen der Schriftzeichen, ihrer Verbindungen und Bedeutungen ist eine Voraussetzung für den erfolgreichen Leselernprozeß [...]. Auch nach dem Abschluß dieser Phase bleiben die Genauigkeit der Identifikation der Zeichen und die Vergrößerung des Zeichenrepertoires Ziele des Deutschunterrichts. Lesen und Sehen als bewußte sinnliche Wahrnehmung sollen regelmäßig und bewußt ausgeübt werden. Damit das Lesen selbstverständliche Lern- und Lebens- praxis wird, müssen Bedingungen geschaffen werden, die es als lohnend, lustvoll und gewinnbringend erfahren lassen. Eine Bewußtmachung von Leseweisen (lernend, identifizierend, kursorisch u.a.) kann den Heranwachsenden helfen, ihre Fähigkeiten situationsgerecht anzuwenden. Eine Reflexion über Lesegeschwindigkeit und  Lesetechniken ist ebenso notwendig wie die Aneignung von Techniken zum Erfassen, zur Verarbeitung und zum Behalten von Textinhalten. Gespräche mit Eltern, der Erfahrungsaustausch unter Schülerinnen und Schülern über Leseerlebnisse, freie Zugänge zu Büchern, Einbeziehung von Lesungen und Gesprächen mit Autorinnen und Autoren können dazu beitragen, die Lesemotivation als Voraussetzung für eine gelingende Leseerziehung zu fördern. 
  • Schreiben: Um die Schreibentwicklung zu fördern, ist es nötig, daß die Lehrkraft die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schülern und deren persönliche Entwicklung wahrnimmt. Die schriftliche Ausdrucksfähigkeit wird entsprechend der kognitiven Entwicklung der Heranwachsenden besonders durch eine systematische Erweiterung eines rechtschreiblich gesicherten Wortschatzes und der Satzbaumuster gefördert. Komplizierte Denkoperationen, symbolisches Sprachverständnis und das Herstellen formallogischer Beziehun­gen entwickeln sich erst allmählich. Dies muß bei den Anforderungen an Schreibaufgaben berücksichtigt werden, wenn überforderungen vermieden werden sollen. [...] Das flüssige Schreiben muß auch im Blick auf die formale Gestaltung geschult werden, einmal in Maßnahmen der Schrifterziehung, zum anderen in der Befähigung zur Nutzung von Schreibsystemen. Im Zusammenhang mit konkreten Schreibprojekten soll in die Benutzung von Schreibprogrammen mit all ihren schreib- und gestaltungsfördernden Möglichkeiten eingeführt werden. Zur Steigerung und Sicherung der Rechtschreibfertigkeit ist ständiges Üben erforderlich. Dafür sind vielfältige Schreibanlässe zu finden und zu nutzen. Die Notwendigkeit des richtigen Schreibens (Rechtschreibung und Zeichensetzung) wird bei all diesen Schreibanlässen funktional einsichtig gemacht. [...] Damit Rechtschreibfehler von vornherein vermieden werden, werden die Schülerinnen und Schüler dazu angehalten, sich selbstverständlich und jederzeit aller erforderlichen Hilfsmittel zu bedienen. Das reicht vom Gebrauch des Wörterbuchs bis hin zur Bereitschaft, die richtige Schreibung zu erfragen. Die Beachtung dieser Prinzipien bildet den Kern einer Rechtschreiberziehung, die den lehrgangsorientierten Rechtschreibunterricht auf dasjenige Maß beschränkt, das für die systematische Vermittlung des notwendigen Rechtschreibwissens und für die Einführung von Übungs- und Trainingsformen unbedingt erforderlich ist. Schließlich sollte den Schülerinnen und Schülern das Prozeßhafte des Schreibens - Erstellung eines Manuskripts von der Rohfassung bis zur Reinschrift - von Anfang an bewußt gemacht werden; Etappen der Überarbeitung und Korrektur werden mit verschiedenen methodischen Möglichkeiten als selbstverständliche Stufen des Schreibens erfahrbar gemacht.    

Diese Basisfähigkeiten sind die Grundlage für die Auseinandersetzung mit den drei spezifischen Gegenstandsfeldern des Faches Deutsch:   
  • Sprache in ihren Funktionen und als Regel- und Zeichensystem; 
  • literarisch-fiktionale Texte und Sach- und Gebrauchstexte; 
  • Kontexte: literarisch-kulturelles Leben, die Mediengesellschaft.   
Letzte Aenderung: 22. Februar 2009, 20:50:41 Hauke Ziehm