Liebe Besucher unserer Jubiläumspage,
im letzten Jahr feierten wir vom 03.07.2009 (Freitag) bis zum 04.07.2009 (Samstag) unser 50jähriges Schuljubiläum.
Dazu bedurfte es der Unterstützung der zur der Zeit am Kreisgymnasium tätigen Lehrerinnen und Lehrer, der aktiven Schüler und Eltern und natürlich der großen Zahl der Ehemaligen und Freunde unserer Schule. Sie alle wurden aufgerufen, durch Ideen, Bilder, Textbeiträge, Programmgestaltung, Mitarbeit in Arbeitsgruppen usw. zum Gelingen unserer Jubiläumsfeier beizutragen. Selbstverständlich waren auch finanzielle Zuwendungen möglich und erwünscht, denn die geplanten Aktivitäten haben einige Kosten entstehen lassen.
Mitglieder des Festkommitees waren Frau Konrad, Herr Meiswinkel und Herr Prof. Dr. Steinmetz.
hinten: Langenfeld, Clausen, Reimer, Dexling, Olowson, Fetkenheuer, Tonn, Goertz, Genz, Geberbauer, Poetzsch-Heffter
Mitte: Winkler, Raasch, Salopiata, Moldenhauer, Giese, Heipcke, Winkler, Schlapmann, Christiansen
vorne: Heuer, Weber, Wieduwilt, Staegemann, Illing, Schlottau, Wolff, Brenner, Möller, Leuschner
und Dr. Rosemarie Hattendorf, Max Harder
Liebe Schülerinnen und Schüler,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte Sie im Namen des Schulelternbeirates des Noch – Kreisgymnasiums zu dem 50. Jubiläum dieser Schule begrüßen und im Namen der Eltern danken für das, was hier in dieser Schule geleistet wird. Dieser Dank richtet sich an die Lehrkräfte, an die Verwaltung hier in dieser Schule und alle, die ihre Arbeit im Hintergrund in Eutin und Kiel wahrnehmen und gewissenhaft erledigen.
Ganz besonders hervorheben möchte ich die Reinigungskräfte und den Hausmeister. Diese hervorzuheben ist mir wichtig, weil leider immer wieder geschimpft wird, wenn irgendetwas nicht funktioniert oder nicht sauber ist. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass immer nur das gesehen wird, was der Hausmeister und die Reinigungskräfte nicht schaffen können – und das ist bei einer in die Jahre gekommenen Schule, durch die täglich etwa 500 Schülerinnen und Schüler ziehen, nicht wenig.
50 Jahre, das ist auch ein Grund zu Feiern, und dafür gibt es an diesem Wochenende hier reichlich Gelegenheit und ich wünsche allen dabei viel Spaß.
Den Eltern der heutigen Schülerinnen und Schüler ist zum Feiern ist allerdings nur eingeschränkt zumute. Denn in den letzten Jahren gab es reichlich Probleme, fragwürdige Entwicklungen und zahlreiche Ärgernisse, die unsere Stimmung nachhaltig drücken und uns immer wieder auch zornig machen.
Wir müssen nämlich beobachten, dass in den letzten Jahren wirtschaftliche und finanzielle Aspekte in der Bildungspolitik mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. In Zeiten leerer öffentlicher Kassen mag dies bei einseitiger Betrachtung nachvollziehbar sein. Hier bleiben aber allzu oft pädagogische Argumente und Aspekte auf der Strecke, und damit schließlich die Kinder und in meinen Augen ganz eindeutig auch der Anspruch an Bildung.
Ich möchte Ihnen das hier in aller Kürze etwas näherbringen:
Mit Beginn dieses Schuljahres wurde in Schleswig-Holstein die Profiloberstufe eingeführt, damit – so eine offizielle Begründung - mehr Allgemeinbildung vermittelt werden kann. Konkret sieht das so aus, dass mein Sohn in Klasse 11 jetzt 34 Stunden Unterricht in der Woche hat in 14 Fächern.
Rechnerisch leicht nachvollziehbar können die meisten Fächer nur zweistündig erteilt werden. Ob wir damit dem Anspruch an Allgemeinbildung gerecht werden können, bezweifele ich. Zudem stelle ich in Frage, ob mit 34 Wochenstunden in 14 Fächern die jungen Menschen noch Gelegenheit haben, sich zu entwickeln, zu reifen und zu wachsen – eben erwachsen werden, wenn sie mit dieser Menge an Stoff gegängelt werden und sie ihr Pensum abarbeiten müssen.
Der Vorteil der Profiloberstufe findet sich denn auch nicht in den pädagogischen Studien, sondern in wirtschaftlichen: Es werden weniger Lehrkräfte gebraucht, weil die Profiloberstufe mit weniger, aber dafür mit größeren Lerngruppen funktioniert, 29 Schüler plus 10% sind nicht nur erlaubt, sondern gefordert. Ob das bei der Aufteilung auf die Profile rechnerisch überhaupt zu machen ist, wird dabei nicht berücksichtigt. Auch die Tatsache, dass in den Fremdsprachen Französisch und Latein Schüler mit den Vorkenntnissen von zwei und vier Jahren in einer Lerngruppe landen, wird billigend in Kauf genommen. Das Zauberwort „Binnendifferenzierung“ wird hier mehr als überstrapaziert.
Eine andere Entwicklung, die mir Angst macht, ist die Einführung des Abiturs nach 8 Jahren – dem „Turboabitur“. Die Gründe hierfür habe ich nie wirklich verstanden. Dass im Ausland die Schulabgänger jünger seien als in Deutschland, hat so richtig niemanden interessiert. Ob dies in Zeiten der Globalisierung ein Problem ist – ich weiß das nicht.
Was ich aber sehe ist eine „Hau –Ruck – Reform“, die durchgedrückt worden ist als eine Art „natürliches Experiment“. Es wurde einfach ein Jahr Gymnasium gestrichen – es wurden aber weder Stunden reduziert noch Lehrpläne überarbeitet, der gleiche Stoff nun eben in acht statt in neun Jahren. Wie das in Schulen organisiert werden kann, wurde nie beantwortet. Und noch wichtiger: wie können Kinder das bewältigen, wenn sie schon in Klasse 5 31 Stunden Unterricht haben, plus Hausaufgaben, Lernen und – in der ländlichen Region ganz wichtig – Fahrtzeiten. Eine 40 Stunden – Woche wird dann schon bei Kindern von 10 bis 11 Jahren zu einem frommen Wunsch.
Mit G8 ist an den Gymnasien quasi durch die Hintertür die Ganztagsschule eingeführt worden. Die Ganztagsschule als solche ist dabei in meinen Augen nicht das Problem, diese kann ich persönlich durchaus befürworten, wenn dafür die Strukturen und das erforderliche Personal vorhanden wären. Denn Ganztagsschule bedeutet weit mehr als nur den ganzen Tag Schule.
Hier in Neustadt können wir uns glücklich schätzen, dass wir mit der Mensa zumindest baulich Voraussetzungen dafür haben, unseren Ganztagschülern ein warmes Mittagessen anbieten zu können und auch einen Raum zu haben, wohin sich die Kinder zurückziehen und einfach mal „abhängen“ können bei einem Tee oder Kakao. Baulich sind wir da schon besser dran als andere Schulen, aber wer die Mensa bewirtschaften soll, wer für den Betrieb verantwortlich ist, diese Fragen sind weder in Kiel im Ministerium noch beim Kreis in Eutin als Schulträger beantwortet worden. Macht das, wie ihr das wollt, aber kosten darf es nichts.
Das Problem, das das Leben auch an dieser Schule aber in beinahe unerträglicher Weise belastet, ist die unzureichende Lehrerversorgung an den Schulen insgesamt. Wir haben nicht die erforderliche Zahl von Lehrerinnen und Lehrern, damit der Unterricht in dem Umfang erteilt werden kann, wie es die Politik eigentlich vorschreibt. Stundenausfälle und Unterricht, der gar nicht erst auf dem Plan erscheint, aber erteilt werden müsste, sind an der Tagesordnung.
Da kann es schon mal passieren, dass eine Klasse ein ganzes Halbjahr keinen Biologieunterricht, weil es die Lehrer nicht gibt. Da sitzen schon mal mehr als vierzig Schüler in einem Grundkurs Mathe, weil ein Fachlehrer krank ist – wie passen die eigentlich in den Raum??? Da werden Stundenpläne beinahe im Wochentakt verändert, weil die Personaldecke so dünn ist, dass Vertretungen nicht anders zu organisieren sind. Ansprüche an Bildung und Pädagogik fallen dabei zwangsläufig unter den Tisch.
Der Grund für diese Probleme ist schnell ausgemacht, wenn wir uns die Zahlen des Planstellenzuweisungsverfahrens für Gymnasien anschauen:
Innerhalb der letzten 10 Jahre sind die Schülerzahlen an den Gymnasien in Schleswig – Holstein um mehr als ein Drittel gestiegen, die der Lehrer aber noch nicht einmal um ein Fünftel. Wenn ich den Beobachtungszeitraum vergrößere, geht die Schere noch weiter auseinander, das erspare ich uns hier.
Wir sind schon vor einigen Jahren an einem Punkt angelangt, wo das Fehlen von Lehrern nicht mehr zu kompensieren war. Der Mangel ist offensichtlich und kann auch nicht mehr vertuscht werden.
Was uns Eltern dann aber richtig zornig macht, sind die Reaktionen dazu aus Kiel: Da wird der Schule vorgeworfen, sich in mehreren Jahrgangsstufen und in der Oberstufe für „vergleichsweise kleine Lerngruppen“ entschieden zu haben mit der Konsequenz „recht niedriger Wochenstundenzahlen in einzelnen Jahrgangsstufen“.
Nur: was soll die Schule tun? Einen Leistungskurs in Jahrgang 13 einstampfen, weil einige Schüler die Schule verlassen haben und damit im Kurs eine Sollgröße unterschritten wird? Klassen mit 35 Schülern einrichten, weil es in einem Jahrgang nun mal 70 Schüler gibt? Oder sollen pädagogische Aspekte ignoriert werden, damit die Statistik wieder stimmt?
Das Ministerium verweist immer wieder auf das Planstellenbemessungsverfahren, nach dem die Lehrer den Schulen entsprechend der jeweiligen Schülerzahlen zugeordnet werden. Damit ist aber nur gesagt, dass die vorhandenen Lehrer gerecht auf die Schulen im Land verteilt, nicht aber, ob genügend Lehrer zugewiesen werden. Denn es kann unten nur das rauskommen, was oben in diesen Topf eingestellt wird. Und das ist einfach zu wenig. Die Politik spart an der Bildung auf dem Rücken der Kinder und – ganz wichtig – auch auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer.
Da können Eltern schon mal zornig werden und der zuständigen Ministerin ein unerfreuliches Zeugnis ausstellen.
Ich möchte ganz klar stellen, dass sich unser Ärger nicht gegen die Schulleitung oder die Lehrkräfte richtet. Sie versuchen unter schwierigen Bedingungen, ihre Arbeit gut zu machen. Unser Ärger richtet sich gegen die Bedingungen, unter denen sie diese Arbeit machen müssen. Die Politik scheint immer noch nicht verstanden zu haben, dass Bildung mindestens so systemrelevant ist wie einzelne Banken.
Daher möchte ich an dieser Stelle an Sie alle appellieren, unterstützen Sie uns dabei, wo immer Sie können, dass in der Bildungspolitik nun endlich ein Umdenken einsetzt, dass den vielen Worten der Politikerinnen und Politiker nun endlich Taten folgen.
Denn wir haben hier in dieser Schule Potenziale, die dieser Schule eine Perspektive geben:
Wir haben viele sehr engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Wir haben Eltern, die v.a. in der Mensa gezeigt haben, dass sie bereit sich einzusetzen. Und schließlich das wichtigste: Wir haben an dieser Schule eine Menge netter Schülerinnen und Schüler, für die es sich lohnt, dass wir uns engagieren.
Vielen Dank