Wer sich am Ende der Mittelstufe entschieden hat, in der Oberstufe Philosophie zu belegen, behält das Fach in der Regel bis zum Abitur bei. Wird man mit seiner Wahl nicht glücklich, darf man sich zum nächsten Halbjahr auch zum Religionsunterricht anmelden – und umgekehrt. Als Fach für die mündliche oder schriftliche Abiturprüfung kann Philosophie (wie auch Religion) jedoch nur gewählt werden, wenn es in den letzten beiden Jahren der Oberstufe durchgängig belegt wurde.
Worum geht es im Fach Philosophie in der Oberstufe?
Im Philosophieunterricht beschäftigen sich die Schüler wie auch im Fach Religion mit den Grundlagen, Bedingungen und Möglichkeiten der menschlichen Existenz. Die Zugangsweisen der beiden Fächer zu diesen Problemstellungen unterscheiden sich jedoch erheblich voneinander, genauso wie die Antworten, die beide Fächer aus der Tradition als auch der Gegenwart heraus formulieren.
So geht es im Fach Philosophie vorrangig um eine Erziehung zur Nachdenklichkeit. Das bedeutet nicht nur, dass die Schüler die Fähigkeit erwerben, sich innerhalb des philosophischen Fachwissens zu orientieren und daran eigene Fragestellungen zu entfalten, sondern auch offenen Auges das eigene Leben als etwas Hinterfragbares zu verstehen, das eigene Dasein in seinem Bezugsrahmen mit dem anderer Menschen zu vergleichen, aber auch sicher zu werden in den Entscheidungen, die sie für sich und in Bezug auf andere treffen müssen.
Der Unterricht soll, wie es der Lehrplan formuliert, Schülerinnen und Schüler befähigen »vermeintlich Selbstverständliches in Frage zu stellen, Vorgegebenes zu problematisieren und Probleme zu artikulieren. Er leitet sie zu Entfaltung und Diskussion von kontroversen Standpunkten an und führt sie darüber hinaus in einen Prozess philosophischer Reflexion, der ihnen die Möglichkeit aufweist, Sach- , Sinn- und Lebensfragen in Rückbindung an Theorie zu gedanklicher Klärung zu bringen. « (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein
(Hrsg.), Philosophie. Lehrplan für die Sekundarstufe 11.Gymnasium, Gesamtschule, Fachgymnasium, Kiel 2002, S.30.).
Dies klingt vielleicht komplizierter, als es ist;es meint aber nichts anderes, als dass die Schüler gemeinsam erproben, neue Perspektiven auf bisher Unreflektiertes einzunehmen, die Grundlagen ihrer Auffassung von Wirklichkeit zu verstehen, die Möglichkeiten und Grenzen unseres Denkens auszuleuchten und dabei die Besonderheiten philosophischen Fragens zu erkennen.
Im ersten Jahr der Oberstufe steht zunächst die Frage nach der Bestimmung des Menschen im Verhältnis zu sich selbst und zu anderen im Mittelpunkt; danach geht es dann um die Ausrichtung und Begründung seines Handelns. Zu diesen Problemkomplexen gehören Fragen wie
In zweiten Jahr der Oberstufe geht es erst um die Grundlagen, Formen und Grenzen der menschlichen Erkenntnis, dann um die Fragen nach der Entstehung des Kosmos, nach Wesen und Existenz Gottes, nach der menschlichen Seele, nach dem Tod und nach dem Sinn des Lebens.