Seit dem Jahr 2004 nehmen regelmäßig SchülerInnen unserer Schule an einem längeren individuellen Austausch mit Frankreich teil. Die SchülerInnen der 9.-11.Klassen haben die Möglichkeit, zwischen zwei Austauschvarianten zu wählen. Der kleinere Teil von ihnen entscheidet sich für die Teilnahme an dem Brigitte-Sauzay-Programm, welches einen zwei- bis dreimonatigen Austausch mit der schleswig-holsteinischen Partnerregion Pays de la Loire vorsieht. Die Mehrheit der Schüler zieht einen individuellen einmonatigen Austausch mit einer unserer Partnerschulen, die ebenfalls in dieser Region liegen, vor. Eine unserer Partnerschulen, das Collège und Lycée Gabriel Guist'hau, liegt direkt in der Innenstadt von Nantes. Unsere zweite Partnerschule, das Lycée Camille Claudel liegt etwa 40 km von Nantes entfernt in der Kleinstadt Blain.
Beide Austauschprogramme sehen vor, dass die SchülerInnen vor Ort zusammen mit ihren Austauschpartnern die Schule besuchen und an allen Aktivitäten des alltäglichen Familienlebens teilnehmen. Aufgrund der Dauer des Austausches und der Tatsache, dass sich zur gleichen Zeit nur wenige andere Mitschüler an derselben Schule befinden, tauchen die SchülerInnen richtig in die französische Sprache und das Alltagsleben ein.
Erfreulicher Weise haben sich auch schon dauerhafte Freundschaften im Rahmen dieser Schüleraustauschprojekte entwickelt. Diese Kontakte beleben den Französischunterricht ungemein und werden von den meisten SchülerInnen (und ihren Familien) als eine persönliche Bereicherung empfunden. Wir hoffen, dass sich auch in der Zukunft viele SchülerInnen für das „kleine Abenteuer Frankreichaustausch" begeistern werden, um Sprache, Kultur und Lebensart unserer Nachbarn besser (kennen) zu lernen!
Zunächst einmal die guteNachricht: Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht!
Als erstes kam mein corres (Austauschpartner) Thibaut für rund fünf Wochen nachDeutschland. Natürlich gab es zu Beginn ein paar Schwierigkeiten, vor allem mitund auch wegen der Kommunikation, aber das hatte sich schnell erledigt. In derSchule war er etwas Besonderes, aber alle gewöhnten sich schnell an ihn.
Am Wochenende sind wir viel mit meiner Familieunterwegs gewesen und haben versucht, Thibaut so viel wie möglich von unsererGegend zu zeigen. Zum Beispiel haben wir die Kieler Woche besucht, oder sindmit ihm am Holstentor in Lübeck gewesen. Sonst haben wir abends oft mit einpaar von meinen Freunden, die zur selben Zeit jemanden aus Frankreich bei sichhatten, etwas unternommen. An einem Tag hat Thibaut sogar etwas originalFranzösisches gebacken. Schon bald flog mein corres wieder zurück nach Frankreich.
Drei Monate später saß ich in meinem Flieger inRichtung Paris. Angekommen an meinem Zielflughafen Nantes wurde ich dannherzlich von meiner französischen Familie begrüßt. Ich wohnte dort einen Monatzusammen mit Thibaut und seinen Eltern, Catherine und Jacques, drei Tram-Stationen von der Innenstadtentfernt in einem alten Reihenhaus. Ich konnte mich gut in meine französischeFamilie integrieren und musste natürlich ganz normal im Haushalt mithelfen - eshat aber Spaß gemacht, und ich habe viel durch meine Gastmutter über diefranzösische Küche gelernt.
Natürlich war es zunächst eine Umstellung, morgensfrüher aufzustehen und anstatt mit dem Fahrrad mit der Straßenbahn zur Schulezu fahren, aber es hat auch viel mehr Spaß gemacht! Schon bevor ich überhauptin der Schule war, hatte ich ein paar Freunde kennengelernt, mit denen ich fastjeden Tag zur Schule gefahren bin. In der Schule angekommen, wurde ich vonallen angestarrt, aber auch von den meisten schließlich freundlich angesprochen- zu meiner Überraschung von vielen auf Deutsch, obwohl ich ihr Französischbesser verstand als ihr Deutsch. Besonders toll fand ich den herzlichen Empfangdurch die Lehrer, so nahm sich zum Beispiel die Deutschlehrerin viel Zeit fürmich und führte mich am ersten Tag durch Nantes und lud mich zu einem StückKuchen ein. Zuhause bin ich gleich nach dem zweistündigen(!!) Abendesseneingeschlafen. In der Schule hatte ich mich schnell gut zurechtgefunden, da wirimmer genügend Zeit zwischen den einzelnen Stunden hatten und auch immer jemandbereit war, mir den Weg zum nächsten Raum zu zeigen. Nun musste ich schnellFranzösisch sprechen lernen, denn die meisten Franzosen sprechen nurFranzösisch. Verständigen auf Englisch oder gar Deutsch? - Fehlanzeige! Ichhabe jedoch mit jedem Tag mehr verstanden, konnte mich besser ausdrücken undschon nach zwei Wochen habe ich angefangen, auf Französisch zu denken.
Es hat mir so viel Spaß gemacht, Frankreich kennen zulernen, mich mit Freunden innerhalb der zahlreichen Freistunden in der Stadt inein Café zu setzten und über alles Mögliche zu plaudern! Die Schule dauerteaber doch meistens ziemlich lange, einmal in der Woche sogar bis um sechs -aber alles halb so schlimm, denn man hat viele Freistunden zwischendurch zumDurchatmen. Abends bin ich viel mit Freunden ausgegangen, zum Beispiel habenwir uns oft in der Stadt zum Public-Viewing getroffen, da die Rugby-WM zu derZeit in Frankreich ausgetragen wurde. Vor jedem Spiel der französischenNationalmannschaft sind dann Hunderte von Franzosen aufgestanden und haben die Nationalhymnegesungen und ich mittendrin die der Deutschen. Die Wochen sind dann schnellervergangen, als es mir recht war, und der eine Monat in Frankreich war vorbei.
Die schlechte Nachricht: Da mussich euch wohl enttäuschen, denn es gibt keine! Es hat sich rundum gelohnt undich werde bestimmt wieder zurückfliegen.
Bon voyage!