Philosophie oder Religion?

Was zeichnet den Religionsunterricht, was den Philosophieunterricht aus?

Der Religionsunterricht ist den gesetzlichen Bestimmungen und den geltenden Rahmenrichtlinien verpflichtet: Er unterliegt als ordentliches Lehrfach der staatlichen Schulaufsicht und wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt (vgl. Grundgesetz, Art. 7, Abs. 3). Er ist angelegt im Bildungsauftrag der Schule. Dieser »ist ausgerichtet an den im Grundgesetz verankerten Menschenrechten, den sie begründenden christlichen und humanistischen Wertvorstellungen und an den Ideen der demokratischen, sozialen und liberalen Freiheitsbewegungen «(Schlesw.- Holst. Schulgesetz, § 4, Abs. 2).
Diese Verankerung schließt eine Glaubensunterweisung aus. Der Religionsunterricht bietet den Kindern Raum, eigenen Fragen nachzugehen, Orientierung zu suchen und Sinnangebote im Leben zu finden. Durch die Auseinandersetzung mit christlichen Vorstellungen, aber auch das Kennenlernen anderer Religionen, Kulturen und Weltanschauungen wird die Grundlage für Dialogbereitschaft und Toleranz gelegt.
Darüber hinaus eröffnet erst eine fundierte Kenntnis der Inhalte und Erfahrungen der christlichen Überlieferung, die unsere Kultur maßgeblich mitgeprägt hat, ein tieferes Verständnis von Literatur, Kunst, Musik und Geschichte. In diesem Sinne leistet der Religionsunterricht einen wesentlichen Beitrag zum fächerübergreifenden Arbeiten.


Der Philosophieunterricht ist ein weltanschaulich neutraler Unterricht, der durch das Grundgesetz ermöglicht und in seinen Grundsätzen und seiner Organisation durch das Schulgesetz und entsprechende ministerielle Erlasse geregelt ist.
Er stellt zentrale Menschheitsfragen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen (z. B. Was kann ich erkennen und wissen? Was ist Freundschaft? Was ist Glück? Was ist Wahrheit? Wer bin ich?), ohne in der Sache normierend zu wirken.
Die Kinder lernen im Fach Philosophie, auf Probleme aufmerksam zu werden, nachdenklich mit diesen umzugehen, Zutrauen zu ihrem eigenen Verstand zu entwickeln, eine eigene Überzeugung zu gewinnen und diese mit Freude zu vertreten. Sie setzen sich mit anderen auseinander, üben sich darin, ihre eigenen Gedanken zu schlüssigen Argumenten zu formen und eigene und andere Positionen kritisch zu überprüfen.
Die im Unterricht eingesetzten Materialien und Methoden sind altersgemäß, problem- orientiert und fächerübergreifend ausgerichtet. Die Kinder führen eine Mappe und erstellen sich ihr eigenes Philosophiebuch. Inhaltlich orientiert sich der Lehrplan für jedes Schuljahr an den vier philosophischen Grundfragen Immanuel Kants: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?

Letzte Änderung : 22. März 2009, 21:09:42 Ralf-Henning Steinmetz